Berlin leidet unter eklatantem Fachkräftemangel. Dennoch bleibt in der Stadt ein erheblicher Teil der Qualifizierungspotentiale ungenutzt. Vielen Jugendlichen gelingt kein Zugang zu beruflichen Qualifikationen. Drei Faktoren sind dafür vorrangig verantwortlich:
- 1) ein regionales Defizit an betrieblichen Ausbildungsplätzen und subsidiären Ausbildungsplatzangeboten;
- 2) die geringe Effektivität und Transparenz des sogenannten Übergangssektors, der Bildungsgänge und Programme zur Förderung des Übergangs von der Schule in berufliche Bildung bietet;
- 3) eine wenig belastbare Berufsorientierung der Schülerinnen und Schüler bis zum Abschluss der 10. Klasse, die auch zu Passungsproblemen zwischen Angebot und Nachfrage führt.
Die berliner wirtschaftsgespräche e.v. werden bis zum Sommer 2026 mit einer Veranstaltungsreihe ausleuchten, welche (im Koalitionsvertrag geplanten) Fortschritte bei den drei genannten Problemen in der zu Ende gehenden Legislaturperiode erreicht worden sind. Diese zweite Veranstaltung der Reihe widmet sich den Problemen des Übergangssektors.
Mehr als 15% aller Jugendlichen beenden in Berlin die Schule, ohne im Anschluss eine Berufsausbildung oder ein Studium aufzunehmen. Viele von ihnen landen in Bildungsgängen und Programmen des Übergangssektors, die sie doch noch in berufliche Bildung und qualifizierte Beschäftigung führen sollen. Expert*innen sind sich allerdings weitgehend einig, dass diesen Angeboten eine konsequente Ausrichtung auf Übergänge in abschlussbezogene Ausbildung fehlt. Daran hat auch das im vergangenen Jahr eingeführte 11. Pflichtschuljahr wenig geändert; es hat den Übergangssektor de facto um ein zusätzliches Element erweitert.
Die öffentliche Unterstützung des Übergangs von Schule in Ausbildung leidet bislang daran, dass sie fragmentiert, wenig zielgerichtet und wenig wirksam ist und ihr in ihrer Gesamtheit eine Steuerung nach Kriterien wie Bedarfsgerechtigkeit, Effektivität und Effizienz fehlt. Die Vielfalt der Maßnahmen im Übergangssektor ist intransparent, ihre operationalen Ziele sind diffus, den Zugängen zu ihnen fehlt es an Systematik; es mangelt an Monitoring und Evaluation. Die Veranstaltung soll ausloten, wie der Förderung des Übergangs von Schule in Ausbildung effektiver und effizienter gesteuert werden könnte. Könnte eine reformierte Berliner Jugendberufsagentur (JBA) die erforderliche Koordinations- und Steuerungsaufgabe übernehmen? Wenn ja, wie müsste sie verändert werden, um das zu bewältigen? Was ist aus der Ankündigung im aktuellen Koalitionsvertrag geworden, die JBA als Trägerin einer „Dienstleistung aus einer Hand“ zu stärken und ihre Handlungsspielräume zu vergrößern?
Einführung:
- Prof. Dr. Susan Seeber, Universität Göttingen
Es diskutieren: berufsbildungspolitische Sprecher*innen von Parteien
- Sandra Khalatbari (CDU)
- Sevim Aydin (SPD)
- Klara Schedlich (Grüne)
- Franziska Brychcy (Die Linke)
- Maren Jasper-Winter (FDP)
Moderation:
- Dr. Rolf Schmachtenberg, Staatssekretär a.D., Bundesministerium für Arbeit und Soziales